Oscar 2014

17:00 Uhr

Die Räder stehen still. Die Handbremse wird angezogen. Die Tür geht auf und ich schließe ab. Mein weißer VW Polo strahlt trotz der Rostflecken in der Sonne. Carlos, was habe ich schon mit dir durchgemacht. Erst eine 400km Fahrt von München in die alte Heimat. Ich gehe zur Eingangstür und drücke auf die Klingel. Keine Gegensprechanlage. Er weiß, wer an der Tür ist. Ein Dröhnen erklingt. Die Tür öffnet sich. Am Ende der Treppe treffen sich unsere Blick. Eine Umarmung ist fällig. “Prayer, bist du bereit für die Oscars?”, frage ich Ihn. “Klar doch.”, entgegnet er mir.

 

00:30 Uhr

Das Vorgeplänkel beginnt. Was sind die größten Modeunfälle der letzten Jahre gewesen? Wer hatte die schönste Dankesrede? Und wer ist für heute nominiert? Steven interviewt verschiedene Stars, die sich bereit erklären mit Ihm zu reden. Abgesehen von dem Regisseur von 12 Years a Slave ist auch kein interessanter Promi dabei. Dann stellt Deutschland sein Programm ein und die englische Sprache wird vernommen. Zwei Frauen fangen an die wirklichen Stars zu interviewen. Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Jonah Hill und Jennifer Lawrence…

01:30 Uhr

Er ist weg. Wo ist er? Er wollte doch nur kurz austreten und schon ist er 20 Minuten weg. Sie beginnen und ich sitze hier alleine. Mit meinem Getränk, Gummibärchen, Keksen, Schokolade, im Sessel…. Eigentlich…. geht es mir gar nicht so schlecht. Egal was er macht, kann Prayer ruhig weiter machen. Die Eröffnungsrede ist einfach Spitze. Ellen DeGeneres heißt die nette Dame. Die Moderatorin ist bekannt dafür, dass Sie auf Ihrer Couch die größten Stars hat und Sie interviewt. In der Eröffnung verarscht Sie jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Sei es Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Barkhad Abdi oder jemand anders.

Quelle: http://www.ematterz.com/wp-content/uploads/2014/01/ellen-degeneres-protagoniza-poster-del-oscar-2014-1809622.jpg

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Der erste Oscar wird verteilt. Der beste Nebendarsteller. Nominiert sind Jared Leto (Dallas Buyers Club), Barkhad Abdi (Captain Phillips), Bradley Cooper (American Hustle), Michael Fassbender (12 Years a Slave) und Jonah Hill (The Wolf of Wall Street). Die Spannung steigt und mich wundert es, dass Sie gleich am Anfang einen “höheren” Oscar verteilen. Anne Hathaway präsentiert den Namen mit einer Eleganz einer Plastikraupe. Starr und emotionslos. Es ist Jared Leto für seine Rolle in Dallas Buyers Club. Seine Rede ist stark und nachdenklich. Er dankt seiner Mutter, die Ihn allein groß gezogen hat und seiner Produktionsfirma.

02:00 Uhr

Nach dem Lied Happy lässt er sich wieder blicken. “Alter, du hast die erste Nominierung verpasst und die erste musikalische Darbietung.”, entgegne ich Ihm, als Prayer gerade die Tür schließt. “Tut mir leid. Ich habe mich auf 9Gag verloren.”, erklärt er mir. Mit einem verständnisvollen Nicken symbolisiere ich Ihm Vergebung. Jahrelang habe ich auch meine Seele an 9Gag verloren. Meine Schulnoten sind in das Bodenlose gefallen und meine ganze Freizeit bestand daraus. Doch nach der Schule, als es teilweise zu spät war, konnte ich diesem Zwang widerstehen.

03:17 Uhr

Hunger…?? Tja, den hatte ich nachdem Ellen eine Pizza für die Promis bestellt hat. Jedenfalls schaute der Pizzabote nicht schlecht, als er einen riesigen Saal voll mit Schauspielern aus seiner Kindheit, oder der Neuzeit sieht. Dennoch war das Trinkgeld auch nicht schlecht. Über tausend Dollar gab es von den Schauspielern für die zwei großen Familienpizzen. Während ich zu sehe, wie sich Harrison Ford ein Stück Pizza abgreift verspüre ich zwei Dränge. 1.) Ich will Ihm eine verpassen, weil er sich für Indiana Jones vier her gegeben hat. 2.) Ich schiebe mir Gummibärchen rein um den Hunger zu unterdrücken.

Gravity ist einer der ganz großen Stars bei der dies jährigen Verleihung. Preise abgestaubt. Beste Regie, bester Sound Mix, bestes Film editing, etc… Verdient meiner Meinung nach. Auch Prayer stimmt mir dabei zu. Für uns einer der besten Filme der Verleihung.

Quelle: http://bilder.t-online.de/b/68/33/58/96/id_68335896/610/tid_da/oscar-verleihung-2014-pizzabote-edgar-sorgte-fuer-aufsehen-.jpg

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04:15 Uhr

Nun ist der Moment der Wahrheit gekommen. Der Oscar für die beste Nebendarstellerin. Nominiert sind Jennifer Lawrence (American Hustle), Lupita Nyong’o (12 Years a Slave), Sally Hawkins (Blue Jasmine), Julia Roberts (Im August in Osage County) und June Squibb (Nebraska). Die Spannung macht sich in mir breit. Als die verschiedenen Clips mit den Nominierten gezeigt werden kommt links von mir eine Bemerkung. “Sie wird es nicht.”. Am liebsten hätte ich mein Glas genommen und gegen Prayers Kopf geworfen für diese Bemerkung. Ich will, dass Sie gewinnt. Sie hat es einfach verdient. Es darf nicht anders sein. Sie ist einfach die… Mein Herz macht einen Satz. Als Christoph Waltz den Namen vor liest, höre ich nur den Vornamen. Danach macht sich ein taubes Gefühl breit. Wie Walter White, höre ich nur noch ein Pfeifen. Mein Blick wendet sich ab und wandert zu Prayer. Er versucht immer hin nicht zu Grinsen. Das muss ich Ihm hoch anrechnen. Lupita ist es geworden. Auch wenn ich es Ihr in gewisser weise gönne, will ich es nicht wahr haben. Beschimpfungen kommen aus mir heraus, die sich nicht nur auf die nächsten fünf Minuten beschränken. Nein, auch in diesem Moment, wo ich das hier schreibe könnte ich Ihr noch einiges an den Kopf werfen.

Auch wenn der Abend nun den Tiefpunkt erreicht hat versuche ich weiter durch zu halten. Prayer muntert mich mit weiteren Beleidigungen gegen Lupita auf. Leider hat es nicht die gewünschte Wirkung, aber immerhin ist er in dieser schweren Zeit für mich da. Wenigstens konnte ich bei einem Rekord mit tätig sein. Twitter wurde gebrochen. Ein Foto und Millionen von Klicks. Mich mit eingeschlossen. Das erfüllte mich dann doch mit Stolz.

Quelle: http://cdn.salzburg.com/nachrichten/uploads/pics/2014-03/oscar-2014-selfie-von-degeneres-war-ein-werbegag-41-51538917.jpg

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05:00 Uhr

“Und die Nominierten sind…”, erklang es im Fernsehen. Der Oscar für die beste Hauptdarstellerin wurde bekannt gegeben. Gewonnen hat hier Cate Blanchette, die im Film Blue Jasmine mit gespielt hat. Schade, ich habe auf Sandra Bullock gehofft. Ihre Leistung in Gravity fand ich einfach atemberaubend. Dann ging es immer schneller. Schon wurde der beste Hauptdarsteller gekürt. Was an dieser Stelle erwähnt werden sollte ist, dass Prayer und ich den ganzen Abend über Witze darüber gemacht haben, dass Leonardo DiCaprio noch nie einen Oscar bekommen hat. Auch hier haben wir die Chancen eher gering eingeschätzt.

Sie betritt die Bühne. Wenigstens hat Jennifer Lawrence einen großen Moment bekommen. Sie ließt mit Ihrer Engelsstimme die Nominierten für die beste männliche Hauptrolle vor. Leonardo DiCaprio (The Wolf of Wall Street), Christian Bale (American Hustle), Matthew McConaughey (Dallas Buyers Club), Bruce Dern (Nebraska) und Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave). Mir wurde in diesem Moment bewusst, egal wer diesen Preis gewinnen wird, darf mit Jennifer Lawrence von der Bühne gehen. Tiefer Neid macht sich in mir breit, der noch verstärkt wurde, als es auch noch Prayer erwähnte, während Matthew McConaughey mit dem Oscar in dem einem und Ihr im anderem Arm von der Bühne verschwindet. Aber meine Stimmung wurde aufgehellt, als wir wieder die Leonardo-DiCaprio-Witze machten.

Quelle: http://cdn.salzburg.com/nachrichten/uploads/pics/2014-03/orginal/oscar-2014-sieben-auszeichnungen-fuer-gravity-41-51493325.jpg

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06:00 Uhr

Nun ist es so weit. Alle Filme, die an diesem Abend erwähnt wurden sind für den Oscar “Bester Film” nominiert. Prayer und ich sind gefasst, welcher Film der beste wird. Wir tippen Beide auf Gravity, obwohl wir die Antwort schon ahnten. 12 Years a Slave wurde von Will Smith bekannt gegeben. Geschafft. Es ist geschafft. Knappe sechs Stunden haben wir mit geschaut, gefiebert, geschimpft und gefreut. Jetzt konnten wir uns in den wohl verdienten Schlaf fallen lassen.

Opening

Kuhra

Author: Kuhra

Ich bin einer der Gründer von Rezessition und bin hauptsächlich im redaktionellen Bereich unterwegs. Aber auch der Podcast und gewisse andere Bereiche fallen unter meine Aufsicht.

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